BMW greift Umwelthilfe an

Allgemeines zum Thema Erdgasfahrzeuge was nicht in die anderen Rubriken passt.

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DerShaker
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Beitrag von DerShaker » 22.02.2018 09:31

Hallo Robert,

danke für Dein Post - ohne Sarkasmus ;-)

Sehr fundiert und informativ.

zunächst zu den Abschalt-Fenstern:
ich persönlich sehe zulässige Abschaltungen nur im Bereich Motordefekt oder evtl. in 1% der möglichen Fahrsituationen (-20°C Sibirienwinter / 6.500 U/Min und Motor kalt etc.).
Alles andere muss ein moderner Motor mit einer ernstgemeinten Abgasreinigung können.
Wenn das Konstruktionsbedingt oder physikalisch nicht geht (AGR-Rate muss runter bei hoher Drehzahl), dann ist dieses Antriebskonzept nicht mehr tauglich für den Straßeneinsatz.
Über die Grenze (1% oder 5% der möglichen Fahrsituationen) kann man sicher diskutieren.
Aber - um beim Beispiel zu bleiben - 3. Gang und 70 sollte aus meiner bescheidenen Sicht kein KO-Kriterium für einen "sauberen" Motorbertieb sein. Das kann beim Beschleunigen sicher passieren. Gibt doch viele Fahrer, dien nicht nur das max. Drehmoment bei 1.500 U/min abrufen wollen sondern die maximale PS-Leistung - und dazu braucht es Drehzahl.


Zum DUH-Test.
Das, was Du schreibst ist sehr interessant.
Ich kannte den Link/Bericht.
Wo genau erkennst Du, dass nicht nur die Geschwindigkeit höher lag sondern auch die Drehzahl stark erhöht wurde durch runterschalten.
Generell lag die Drehzahl auf jeden Fall höher, da ja +10% Geschwindigkeit automatsch mehr Drehzahl/Motorleistung erfordert auch im gleichen Gang wie vorher.

Denn genau darum geht's doch.
Erkennt die Software - ich fahre im 6. Gang 80 km/h und befinde mich in einer NEFZ-Fahrsituation? Oder fahre ich 120 km/h im 6. Gang und habe somit die NEFZ-Fahrsituation aufgrund zu hoher Geschwindigkeit + damit auch erhöhter Drehzahl verlassen?
Wenn die Software das erkennt und deshalb die Abgasreinigung drosselt oder abschaltet, ist es eine Manipulation.
Wenn die DUH auf der Autobahn mit 120 Sachen im 3. Gang fährt, ist es dämlich weil das niemand tut - gleiche Meinung wie Du.

Zentrale und für mich die entscheidende Frage:
Erkennt die Steuerung, ob sich das Fahrzeug in einer NEFZ-Fahrsituation befindet und regelt sie danach die Abgasreinigung?

Gruß
Shaker
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Gulbenkian
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Beitrag von Gulbenkian » 23.02.2018 19:54

Ohje, BMW hat "die falsche Software" aufgespielt und danach waren die Diesel dreckig. :-( Nur gut, dass sie für die Zulassungstests eine andere Software eingesetzt haben. Schon tragisch. Aber wenigstens haben sie es gemerkt, bevor das KBA getestet hat. Aus Kulanz haben sie den Beamten einen "Gratisservice" angeboten.

Schon toll, was BMW da macht. :lol:
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Gasgeberin
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Beitrag von Gasgeberin » 23.02.2018 23:27

... liest sich in spiegel online doch anders. Ich dachte echt zuerst: Das kann doch nicht denen ihr erst gewesen sein bei BMW....
http://www.spiegel.de/auto/aktuell/abga ... 95136.html. Das Auto war schon vom KBA eingesackt worden.... Da machen die Mal die ankündigten Überraschungstests und darf man nicht mal servicemäßig vorher drüberflashen.... Nach der Typgenehmigung eine neue Motorgerätesoftware draufspielen, bei der die Autos dreckiger werden. :eek: Da ist die ABE sofort erloschen...
Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.

Hans_L
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Beitrag von Hans_L » 24.02.2018 10:08

... war bestimmt der Hausmeister oder die Putzfrau, denn ein "Verantwortlicher" macht sowas doch nicht, und wenn er es gewußt hätte, hätte er es bestimmt sofort abgestellt.
Manchmal fragt man sich, wieso eigentlich die Gehälter dieser Leute so hoch sind,
denn die Verantwortung (mit der das immer begründet wird) nehmen sie ja nicht wahr.
Gruß
Hans

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Gulbenkian
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Beitrag von Gulbenkian » 25.02.2018 19:46

Gasgeberin hat geschrieben:Nach der Typgenehmigung eine neue Motorgerätesoftware draufspielen, bei der die Autos dreckiger werden. :eek: Da ist die ABE sofort erloschen...
Stimmt, die Autos haben nicht die Eigenschaften, die sie zur Typgenehmigng hatten. Sofortige Stilllegung wäre bei allen anderen Vergehen (illegales Tuning, Ausbau KAT...) die Konsequenz, aber nicht bei BMWs die ab Werk so kamen. Wo kein Kläger... Und den Besitzern dürfte das herzlich egal sein, sieht man ja an Millionen VW Kunden.
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Robert
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Beitrag von Robert » 25.02.2018 21:17

Gulbenkian hat geschrieben:Ohje, BMW hat "die falsche Software" aufgespielt und danach waren die Diesel dreckig. :-(
Die Konsequenz daraus ist nicht bekannt.
Davon abgesehen sollte man auch die Kirche im Dorf lassen. Hier wurde eine fehlerhafte Software bei wenigen Fahrzeugen aufgespielt, das ist kein Betrug, sondern einfach ein fehlerhaftes Verhalten. Einen Betrug macht man ganz sicher so nicht.

Zur Typengenehmigung:
Diese erlischt nicht einfach, sondern muss aktiv als Verwaltungsakt entzogen werden. Und dabei wird natürlich immer auf die Verhältnismäßigkeit geschaut. Ist das Problem innerhalb einer angemessenen Frist zu lösen, dann wird im Normalfall dieser Weg beschritten. Das ist übrigens auch so, wenn Kevin sich einen übergroßen nicht zugelassenen Auspuff drunter schraubt.

P.S.: Mit dem angeblichen 3er der DUH hat das alles auch nichts zu tun.

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Bassmann
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Beitrag von Bassmann » 25.02.2018 21:34

Wenn die ABE für ein Fahrzeug erteilt wurde, das eine andere Software im Steuergerät hatte, haben die falsch bestückten Autos nie eine ABE gehabt.

Ich denke allerdings auch, dass die zusätzlichen Schadstoffe, die nur aufgrund jener falschen SW produziert werden, keine sofortigen Stilllegungen jener Autos rechtfertigen. Dafür sind die Produktionszahlen imho zu niedrig.

MfG Bassmann
17 Zylinder, 4,85 Liter Hubraum, aber verteilt auf 2 Autos und 3 Motorräder:
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Beitrag von Robert » 25.02.2018 21:43

Bassmann hat geschrieben:Wenn die ABE für ein Fahrzeug erteilt wurde, das eine andere Software im Steuergerät hatte, haben die falsch bestückten Autos nie eine ABE gehabt.
Das ist verwaltungsrechlich nicht korrekt.

Eine ABE ist auch erteilt, wenn die Behörde getäuscht wurde, die die ABE erteilt hat. Natürlich kann diese entsprechende Maßnahmen unternehmen (und wird das ggf. auch), aber eine erteilte ABE ist erteilt und kann, wie gesagt, nur aktiv wieder entzogen werden.
Aber es gibt da keinen Automatismus im Sinne dessen, dass diese aufgrund der fehlenden Voraussetzungen nie zu Stande kam.

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Beitrag von Bassmann » 25.02.2018 22:00

Meine Logik funktioniert anders.

Es ist doch eher so, dass -im Falle der 5er und 7erBaureihen- BMW der Lapsus unterlaufen ist, falsche SW draufgedudelt zu haben. Und dann gingen die Autos auf Reisen zu den Kunden mit BMWs Behauptung, sie würden der ABE entsprechen. Taten sie aber nicht. Mit dieser Lüge wurde die Verwaltung jeweils dazu verführt, die Karren auf die Straßen zu lassen, richtig? Aha. Also waren es "rechtswidrige begünstigende Verwaltungsakte". Und sowas lässt sich schon revidieren.

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Beitrag von Robert » 25.02.2018 22:09

Bassmann hat geschrieben:Und sowas lässt sich schon revidieren.
Die Logik, die an vielen Stellen auch auf normalem Rechtsempfinden beruht, sagt einem das durchaus.
So kommt ein Geschäft z.B. nur zu Stande, wenn es eine übereinstimmende Willenserklärung gibt. Stellt sich hinterher heraus, dass es die nicht gab, so ist auch das Geschäft (z.B. Kauf) nie zu Stande gekommen.

Aber hier ist es anders. Einmal erteilt, ist erteilt und erlischt auch nicht, wenn die Voraussetzungen dafür strittig sind.

Revidieren lässt sich die Erteilung aber natürlich durchaus, auch ggf. sehr schnell. Nur muss es die zuständige Behörde aktiv tun. Dafür gibt es aber Voraussetzungen und die sind in einem solchen Fall sicher nicht erfüllt. Hier ist das angemessene Mittel eine gesetzeskonforme Software aufzuspielen und dann ist auch gut.

P.S.: Die gesamte Problematik trifft nicht nur Diesel. Auch bei anderen Antriebsformen ist ein Update der Motorsteuerung mehr als üblich. Nur wird da nicht direkt "Betrug" geschrien.

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Beitrag von Bassmann » 25.02.2018 22:17

Robert hat geschrieben:... Aber hier ist es anders. Einmal erteilt, ist erteilt und erlischt auch nicht, wenn die Voraussetzungen dafür strittig sind. ...
Für diese Fahrzeuge mit der falschen SW ist sie ja nicht erteilt. Oder allenfalls scheinbar erteilt. Das ist angreifbar. Da hilft es auch nicht, wenn Du BMW verteidigst.

MfG Bassmann
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Beitrag von gato311 » 26.02.2018 08:47

Schon eigenartig, dass die Software so gemacht ist, dass eine nicht passende Motorsoftware keine Check-Engine-Lampe auswirft, wenn die Komponenten irgendwie nicht zusammenpassen.

Naja, man weiß ja nicht sicher, was da wirklich gelaufen ist...

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Beitrag von DerShaker » 20.03.2018 20:53

Uiuiui - jetzt hatte BMW doch Besuch von Justitia wegen der versehtlich falschen Software die da irgendwie in die Steuerung eingedengelt wurde. nur versehentlich natürlich, falls noch nicht erwähnt.

Zufälle, jaja. nicht die Software fürs Navi oder das Ölwechselintervall, nicht die Software für die Automatik - leider die Abgasreinigung, mei. Da steckt man nicht drin.

ich warte immer noch - und ganz ernsthaft und konstruktiv - auf einen Hinweis zum DUH-Thema, dass die DUH tatsächlich bei der NOX-Messung selbst bewußt im 3. Gang 100 gefahren ist oder wie es weiter vorne gemunkelt wurde.

Das würde mich wirklich sehr interessieren.

Shaker
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Beitrag von Robert » 20.03.2018 21:02

DerShaker hat geschrieben: ich warte immer noch - und ganz ernsthaft und konstruktiv - auf einen Hinweis zum DUH-Thema, dass die DUH tatsächlich bei der NOX-Messung selbst bewußt im 3. Gang 100 gefahren ist oder wie es weiter vorne gemunkelt wurde.
Aufklärung kann hier nur die DUH bringen, indem sie die Messprotokolle nicht nur partiell veröffentlichen, sondern umfassend, so wie es sich gehören würde, wenn man denn einen "Skandal" ans Licht bringen will.

Aber das wird nicht passieren, denn dann würden genau solche Sachen und vielleicht noch mehr ans Licht kommen.

Mach doch mal Druck auf die DUH ;).

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Gasgeberin
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Beitrag von Gasgeberin » 29.03.2018 17:16

... und jetzt auch noch Probleme in den USA. I
st das die gleiche Charge Fahrzeuge, die die Software "aus Versehen" aufgespielt bekommen haben? Ich glaube, es waren andere in den USA. Die OnBoardDiagnose (OBD) hätte sofort zeigen müssen, dass gewisse Werte nicht gestimmt haben....
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